Nepo-Babys, also Kinder berühmter und gut vernetzter Familien, stehen im Mittelpunkt einer hitzigen Debatte. Wir erklären, was hinter dem Begriff steckt, warum er für Diskussionen sorgt und welche Stars besonders im Fokus stehen.
Sie sind die heimlichen Nutznießer*innen des Erfolgs ihrer Eltern: Nepo-Baby ist ein Begriff, der sich aus einer Mischung aus „Nepotismus“ (Vetternwirtschaft) und „Baby“ (Nachkommen) zusammensetzt. Gemeint sind hier die Kinder von Prominenten oder einflussreichen Persönlichkeiten, die aufgrund ihrer familiären Verbindungen schneller den Karriereweg hinaufsteigen als der Rest der Gesellschaft.
Der Begriff „Nepo-Baby“ tauchte erstmals 2022 in einem viralen Tweet auf. Die Userin @MeredithClark kommentierte ein Filmprojekt mit Maude Apatow, der Tochter von Regisseur Judd Apatow und Schauspielerin Leslie Mann, und schrieb halb enttäuscht, halb ironisch: "Warte, ich habe gerade herausgefunden, dass die Schauspielerin, die Lexi spielt, ein Nepo-Baby ist, omg ? Ihre Mutter ist Leslie Mann und ihr Vater ist ein Filmregisseur lol."
Welche Welle Clark damit auslöste, war ihr wohl selbst nicht bewusst: „Nepo-Baby“ entwickelte sich schnell zu einem festen Begriff für Promi-Kinder, die durch ihre familiären Verbindungen Vorteile in der Unterhaltungsbranche haben. Vor allem auf Social Media wurde das Thema heiß diskutiert. Aber auch große Medienhäuser und Magazine griffen die Debatte auf und machten den Skandal um die Nepo-Babys schnell zu einem popkulturellen Phänomen.
Die Liste der prominenten Nepo-Babys ist lang. Einige von ihnen sprechen offen über ihre Vorteile, während andere sich gegen den Begriff wehren. Hier sind einige der bekanntesten Namen:
Die Tochter von Schauspieler Stephen Baldwin, ist eines der bekanntesten Gesichter der Nepo-Baby-Debatte. Kritiker*innen werfen dem Model vor, dass sie ohne ihre Verbindungen nicht denselben Erfolg gehabt hätte – ein Vorwurf, den Bieber jedoch stets gelassen kommentiert.
Die Tochter von Johnny Depp und Vanessa Paradis ist als Model und Schauspielerin gerade sehr erfolgreich.
Die Tochter von Musiker Lenny Kravitz und Schauspielerin Lisa Bonet hat sich als Schauspielerin in Filmen wie The Batman einen Namen gemacht. Sie erkennt ihre privilegierte Herkunft an, betont aber, dass sie sich dennoch in der Branche beweisen musste.
Die Tochter von Melanie Griffith und Don Johnson wurde durch Fifty Shades of Grey weltberühmt. Sie steht dazu, aus einer Hollywood-Familie zu stammen.
Das Model trat in die Fußstapfen ihrer Model-Mama Cindy Crawford.
Als Nichte von Julia Roberts und Tochter von Eric Roberts war ihr Weg in Hollywood nahezu vorgezeichnet. Heute kennen wir sie aus Serien wie American Horror Story oder Scream Queens.
Der Sohn von David und Victoria Beckham versucht sich als Fotograf, Koch und Model.
Der Sohn von Will Smith und Jada Pinkett Smith begann seine Schauspielkarriere bereits als Kind neben seinem Vater in Das Streben nach Glück und machte später auch als Musiker auf sich aufmerksam.
Während viele ihn nicht als klassisches Nepo-Baby sehen, hatte er durch seine Mutter, die als Broadway-Tänzerin tätig war, frühe Verbindungen zur Unterhaltungsindustrie.
Die Tochter des Oscar-nominierten Kameramanns Caleb Deschanel und der Schauspielerin Mary Jo Deschanel, schlug ebenfalls eine künstlerische Laufbahn ein. Ist ihr Erfolg in Filmen wie (500) Days of Summer und der Serie New Girl der Beweis, dass Talent eine größere Rolle spielt als bekannte Eltern?
Hollywood-Star und Oscar-Preisträgerin Jamie Lee Curtis (Tochter der Hollywood-Legenden Tony Curtis und Janet Leigh) geht selbstironisch mit Kritik um. So bezeichnete sie sich selbst als „OG Nepo-Baby“ und gab zu, dass sie durch ihre berühmten Eltern einen leichteren Start hatte.
Stars wie Emma Roberts, Lily Allen und Lily-Rose Depp (Tochter von Johnny Depp und Vanessa Paradis) weisen die Kritik zurück. In einem Interview mit der Zeitschrift Elle betonte sie, dass in ihrer Branche Talent wichtiger sei als Beziehungen: „Die Leute haben vorgefasste Meinungen über dich, aber am Ende bekommst du die Rolle nur, wenn du das nötige Talent hast.“ Außerdem hält sie den Begriff „Nepo-Baby“ für sexistisch: „Ich höre ihn viel öfter bei Frauen – und ich glaube nicht, dass das ein Zufall ist.“
Eine etwas andere Herangehensweise fand Hollywoods beliebtestes Nepo-Baby, Hailey Bieber: Anfang 2023 zeigte sich das Model in einem schlichten weißen T-Shirt mit dem Aufdruck „Nepo-Baby“ und sorgte damit für Diskussionen und ein erneutes Aufflammen der Debatte um Vetternwirtschaft.
Und Maude Aptow? In einem Interview mit Net-a-Porter gab der Euphoria Star zu, dass die Kritik sie zunächst verletzt habe, sie aber gleichzeitig verstehe, wie privilegiert ihre Position sei. Viele Kinder von Hollywood-Größen hätten im Laufe der Jahre ihr Talent unter Beweis gestellt und sich trotz privilegierter Geburt ihren Platz im Showbiz durch Talent und Fleiß verdient. Bereits 2020 erklärte, dass sie ihr Leben lang hart arbeiten müsse, um sich als eigenständige Künstlerin zu behaupten. Dennoch nimmt sie die Ratschläge ihrer Eltern gerne an, vor allem wenn es um ihre eigenen Projekte geht, die sie immer unabhängiger vorantreiben möchte.
Während auch männliche Stars wie Timothée Chalamet, Brooklyn Beckham oder Jaden Smith mit dem Label „Nepo-Baby“ konfrontiert werden, sind es vor allem Frauen, die in den Medien kritisiert werden. Doch warum ist das so? Und ist der Begriff deshalb sexistisch? Die naheliegende Antwort: Hollywood hat ein Sexismus-Problem. Doch der eigentliche Punkt ist ein anderer.
Bei Nepo-Babys geht es darum, finanzielle Möglichkeiten und Beziehungen sichtbar zu machen. Dass Hollywood ein Sexismus-Problem hat, steht außer Frage. Ja, die Frauen, die als Nepo-Babys in den Medien präsent sind, werden aufgrund ihres Geschlechts diskriminiert, wie alle Frauen. Aber durch ihre Zugehörigkeit zu privilegierten sozialen Schichten haben sie Zugang zu Ressourcen und Macht, die anderen Frauen verwehrt bleiben. Eine weiße, wohlhabende Frau hat in vielen Fällen einen Vorteil gegenüber einer schwarzen, migrantischen oder armen Frau, auch wenn beide unter patriarchalen Strukturen leiden.
Lilly-Rose Depp ist kein schlechtes Model, nur weil sie einen einflussreichen Vater hat, und wir wollen Jamie Lee Curtis auch nicht ihren Oscar wegnehmen. Es geht nicht darum, den Nepo-Babys ihre Karriere zu verwehren oder ihnen per se ihr Talent abzusprechen. Niemand kann sich aussuchen, in welche Familie er hineingeboren wird.
Es geht um Transparenz und darum, darüber zu sprechen, dass der eigene Erfolg nicht im luftleeren Raum entstanden ist, sondern durch strukturelle Vorteile begünstigt wurde. Der Begriff „Nepo-Baby“ ist also nicht per se sexistisch.
Die entscheidende Frage muss lauten: Beruht Erfolg tatsächlich auf individuellem Talent und Fleiß oder wird er maßgeblich durch familiäre Privilegien und finanziellen Hintergrund beeinflusst?