Gaslighting bezeichnet eine Form von psychischer Gewalt oder Missbrauch, bei der Opfer gezielt manipuliert und ihre Wahrnehmung der Realität allmählich deformiert oder zerstört werden. Hier erfährst du, wie du dich gegen Gaslighting wehren kannst.
Gaslighting ist eine Form der psychologischen Manipulation, die darauf abzielt, Selbstzweifel zu schaffen. Mit dieser manipulativen Taktik wird versucht, dem Opfer einzureden, dass es instabil und irrational sei. Strukturell impliziert Gaslighting immer auch ein Machtungleichgewicht zwischen Täter*in und Opfer. Täter*innen nutzen oft Stereotypen oder Verwundbarkeiten im Zusammenhang mit Geschlecht, Sexualität, zugeschriebener Herkunft und/oder sozialer Klasse aus. Besonders in romantischen, heterosexuellen Beziehungen lassen so typische Sätze, wie „Du übertreibst mal wieder“ oder „Ach, das bildest du dir nur ein“ auf Gaslighting-Strukturen schließen. Ob etwas Gaslighting ist oder nicht, lässt aber sich oft erst im Laufe der Zeit feststellen. Die Perspektive des Opfers sollte jedoch immer ernst genommen und nicht als überempfindlich oder irrational abgetan werden.
Websites wie die vom Hilfetelefon „Gewalt gegen Fragen“ bieten nicht nur kostenlose Unterstützung für Opfer von psychischer, sexualisierter oder physischer Gewalt, sondern informieren auch über eine Vielzahl von Themen. Wenn du dir unsicher bist und du dich genauer informieren möchtest, dann ist das eine gute erste Anlaufstelle.
Gaslighting lässt dich die eigene Realitätsvorstellung anzweifeln und schafft Unsicherheiten. Es ist essenziell, Vertrauen in die eigene Wahrnehmung zu haben, es zu stärken und gesellschaftliche Normen zu hinterfragen, die Gaslighting-Verhalten ermöglichen. Genauso wichtig ist es, einander zu ermutigen, das Thema anzusprechen und Unterstützung von anderen zu suchen.
Um den Überblick nicht zu verlieren und dich nach einer emotional bedrückenden Interaktion selbst zu validieren, kann es hilfreich sein, Vorfälle schriftlich festzuhalten. Du kannst z. B.
E-Mails und Nachrichten abspeichern oder Screenshots davon machen
Fotos von beschädigten Gegenständen machen
Datum und Uhrzeit von Gesprächen notieren
Wichtig: Es ist nicht immer sicher, die Person, von der das Gaslighting ausgeht, alleine damit zu konfrontieren. Aber Beweise zu haben, kann viel dazu beitragen, das eigene Selbstvertrauen stärken und es dir erleichtern, in Zukunft gestärkt damit umzugehen.
Netzwerke helfen. Gerade in Situationen, in denen deine Erinnerungen invalidiert und infrage gestellt werden, ist es wichtig, dich mit Personen zu umgeben, die deine Version des Geschehenen unterstützen können. Wenn Freund*innen oder Kolleg*innen bestätigen, dass deine Misshandlungserfahrungen real sind, stärkt das nicht nur dein Selbstbewusstsein, sondern schärft in Zukunft auch ihren Blick.
Täter*innen sollten zur Rechenschaft gezogen werden. Das sollte aber nicht unbedingt Aufgabe des Opfers sein.
Wenn du trotzdem das Bedürfnis hast, Täter*innen von Gaslighting zu Rede zu stellen, solltest du dir vorher einen guten Plan zurechtlegen und am besten nicht alleine in die Situation gehen. Versuche im Gespräch mit der Person ruhig zu erklären, woran du dich erinnerst, und mache deutlich, dass du ihre Version der Ereignisse nicht akzeptierst. Mache klar, dass du erwartest, mit Respekt behandelt zu werden, und weigere dich, darüber zu streiten, was passiert ist oder was gesagt wurde. Sollte sich die Situation nicht abkühlen, ist es ratsam, gegebenenfalls das Gespräch zu verlassen und dir weiter Support zu suchen.
Im besten Fall legt sich die Situation mit der gaslightenden Person schnell wieder. Wenn jedoch aus einzelnen Situationen ein festes Muster entsteht, kann das zunehmend ernsthafte Folgen für die psychische Gesundheit des Opfers haben. Wenn also alle Stricke reißen, ist es eine valide Option, dich aus der Situation, in der du Opfer von Gaslighting wirst, zu entfernen. Das kann das Ende einer Beziehung oder Freundschaft sein, aber auch die Beendigung eines Arbeitsverhältnisses. Am Ende geht es darum, die eigene psychische Gesundheit zu schützen, auch wenn das bedeutet, proaktiv zu werden.
Es ist wichtig, dass Täter*innen von Gaslighting für ihr Verhalten zur Rechenschaft gezogen werden. Am besten wehren kannst du dich mit der Unterstützung eines guten Netzwerkes. Auch die Stärkung des eigenen Selbstvertrauens ist wichtig. Du kannst nur dann für dich und andere einstehen, wenn es dir selber gut genug dafür geht.
Aber der Kampf gegen Gaslighting (und jegliche Formen psychischer und geschlechtsbezogener Gewalt) ist nicht nur Aufgabe von Individuen, sondern auch politisch und gesamtgesellschaftlich eine wichtige Aufgabe. Indem wir Gaslighting-Taktiken als Teil eines strukturellen Problems erkennen, können wir uns und andere Personen ermächtigen, unseren eigenen Erfahrungen und Stimmen zu vertrauen und eine Welt zu schaffen, in der emotionale Manipulation und Missbrauch nicht mehr toleriert werden.
Hier sind ein paar Nummern und Ressourcen, die kostenlose Unterstützung für Opfer von psychischer, sexueller oder physischer Gewalt anbieten. Auch bei Themen rund um Gewalterfahrungen von lesbischen, schwulen, bisexuellen, trans* und intergeschlechtlichen Menschen (LSBTI) mit Fluchthintergrund, die in ihren Herkunftsländern Verfolgung und Gewalt seitens des Staates, der Familie oder der Gesellschaft erfahren mussten, bieten Projekte wichtige Hilfs- und Beratungsangebote:
Die Telefonseelsorge unter 0800-1110111 oder 0800-1110222
Das Hilfetelefon "Gewalt gegen Frauen" unter 0800-116 016
Hinsehen statt Wegschauen. Am internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen am 25.11. müssen wir uns zusammentun, um den Frauen eine Stimme zu geben, die Opfer von Gewalt werden – mitten unter uns. Gegen das Schweigen und damit sich endlich etwas ändert.
Mehr Informationen findet ihr hier >>>
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